Magen-Darm-Infektionen

Bakterien


Im menschlichen Darm leben rund 800 verschiedene Bakterienarten. Der Organismus und die Bakterien leben in einer Form von Synergie und Kommensalismus miteinander. Im Fall der Synergie, profitieren beide Lebewesen voneinander. Im Fall des Kommensalismus nur ein Lebewesen, für das zweite stellt sich das Zusammenleben als neutral dar. In einem Gramm Kot befinden sich ungefähr eine Billion Bakterien. Neben den Darm eigenen Bakterien treten auch Krankheitserreger auf.

Erreger in Magen und Dünndarm

Heliobacter pylori ist der häufigste im Magen auftretende Erreger und verursacht eine verstärkte Produktion von Magensäure. Er zeichnet sich verantwortlich für B-Gastritis, 75 Prozent aller Magengeschwüre und beinahe für alle Zwölffingerdarmgeschwüre. Besteht eine chronische Infektion durch Heliobakter pylori, erhöht sich das Risiko für die Bildung eines Magenkarzinoms. Übertragen wird das Bakterium über den fäkal-oralen Weg, wobei auch eine Übertragung durch Schmeißfliegen möglich ist. Im Dünndarm können Vibrio cholerae und enterotoxische Escherichia Coli als Erreger auftreten. Vibrio Cholerae setzt einen Giftstoff frei, der auf den Darm wirkt und Cholera als Infektionskrankheit auslöst. Die Infektion erfolgt durch verunreinigtes Wasser und verunreinigte Lebensmittel. Escherichia Coli löst wässrigen Durchfall aus und kommt ebenfalls durch Verunreinigungen in Lebensmittel in den Darm. 100 Millionen Infektionen und zehntausende Todesfälle jährlich gehen weltweit auf das Konto des Bakteriums. Im Dünndarm können noch Salmonellen, Yersinien und Campylobakter auftreten. Salmonellose ist eine zoonotische Erkrankung, denn der Mensch kann ein Tier anstecken, aber auch ein Tier den Menschen. Die Übertragung erfolgt häufig durch Lebensmittel, speziell rohes Geflügelfleisch und ungekochte Eier. Die Belastung in Schweinefleisch ist heute kaum mehr gegeben. Außerhalb des Menschen sind Salmonellen wochenlang lebensfähig, etwa auf Holzschneidbrettern. Gängige Desinfektionsmittel und saures Milieu lassen sie jedoch schnell absterben. Yersinien können in drei gefährlich Arten unterteilt werden, wobei eine Art ein tuberkuloses Erkrankungsbild hervorruft und die zweite Art Entzündungen im Darm. Bei der dritten Art, Yersinii pestis, handelt sich um den Erreger der Pest. Einige Campylobacter sind übliche Darmbewohner, andere erregen Durchfall.

Erreger im Dickdarm

Eine Infektion mit Shigellen ruft die bakterielle Ruhr hervor. Die Übertragung erfolgt in erster Linie durch verunreinigtes Wasser, aber auch mitunter über bestimmte Fliegen. Weltweit erkranken jährlich 160 Millionen Menschen an bakterieller Ruhr, wovon rund eine Million an den Folgen sterben. Daneben zeigen sich im Dickdarm zwei weitere Coli-Bakterienarten, die ähnliche Erkrankungen hervorrufen wie der Coli-Typ im Dünndarm. Aeromonas-Arten können seuchenartig auftreten. Durch Wasser übertragen, tritt der Erreger nicht selten in Krankenhäusern auf. Die Infektionen kommen über Geräte und Spülflüssigkeiten zustande. Durchfall und Symptome wie bei Magen-Darm-Grippe sind typisch. Ein weiterer gefürchteter, so genannter Krankenhauskeim stellt Clostridium difficile dar. Rund 20 bis 40 Prozent aller Krankenhauspatienten, Altenheimbewohner und Badbesucher werden mit dem Clostridium infiziert. Es wird fäkal-oral übertragen. Es löst jedoch erst Krankheitssymptome aus, wenn die eigenen Darmbakterien reduziert werden, etwa bei der Einnahme von Antibiotika. Auch Immundepressiva, Radio- und Chemotherapie und ein geschwächtes Immunsystem lassen Clostridien gefährlich werden. In der Regel jedoch zeigen sie sich harmlos und werden sie durch das Immunsystem erfolgreich bekämpft.


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